Armenien – Klima, Energie und globale Geopolitk in a Nutshell

Kein Interesse an Armenien? Sollten wir aber alle haben. Komm mit auf eine Reise an einen Ort, wo sich die aktuelle Geopolitik dieser Welt in einem kleinen, aber strategisch wichtig gelegenen Land auf eine einzigartige Weise wie unter einem Brennglas zeigt.

Jerewan. Hauptstadt von Armenien. Bild: Levon Vardanyan, Unsplash

Von Atomkrise über BigTech, den langen Arm von USA und Russland über schwierige Nachbarn bis zu utopischer Architektur und extrem ambitionierten Klimazielen ist alles dabei. Und Deutschland hat die Finger in diesem Spiel, als du denkst. Ein Schlüsselort für die Weltmächte. Hier werden Kämpfe ausgetragen, die weit über die regionale Bedeutung hinausgehen und modellhaft für unsere Zukunft stehen. Wir hüpfen durch die jüngste Geschichte, aber nur kurz, versprochen. Dann schauen wir uns die ungewöhnliche Transformation des Landes an, was dort gerade passiert und warum das zentral mit Energie zu tun hat. Ein abgelegenes Atomkraftwerk spielt eine Schlüsselrolle, deswegen schauen wir da genauer hin. Schlussendlich noch ein Schwenk zur alles entscheidenden Klimapolitik und warum sich nicht nur das Schicksal der Armenier daran ablesen lassen könnte. Selbst Trump ist tief in die Sache verwickelt. Komm mit zu einem hochspannenden Krimi im Kaukasus, der vielleicht auch unsere Zukunft entscheidet!

Was und wo

Wo liegt denn Armenien? War da nicht was mit Krieg? Viele wissen erstaunlich wenig über dieses Land, welches heute so strategisch wichtig ist für viele weltpolitische Akteure. Es liegt südlich des Kaukasusgebirges in einer Region, in welcher es mit den ähnlichen kleinen Staaten Aserbaidschan und Georgien zwischen dem großen Russland im Norden und der Türkei sowie dem Iran im Süden eingeklemmt ist, links vom Schwarzen Meer und rechts vom Kaspischen Meer begrenzt, wobei es aber an beide nicht selber angrenzt. Armenien ist quasi ein Hochplateau, 90% des Landes liegen über 1000 Meter über dem Meer. Rund 3 Millionen Einwohner hat das Land. Die Lage ist geografisch zwar eher isoliert, aber geopolitisch ziemlich zentral gelegen. Und genau das ist die Essenz für die spannende Geschichte des Landes.

Die Lage von Armenien. Bild: Wikivoyage

Jüngste Geschichte

Aber diesen Teil halten wir möglichst kurz, denn danach kommen die großen Klopper dieser Story. Armenien war schon ab dem 7. Jahrhundert Spielball von Glaubens- und Kulturkriegen der umliegenden Regionen, Königreiche und Großmächte. Das Land war auch mal wesentlich größer als heute. Armenier sind daher ein ethnisches Volk, das in der Region über das Mutterland hinaus und wegen Konflikten, wie zum Beispiel dem noch sehr aktuellen um die Region Bergkarabach mit den Nachbarn Aserbaidschan, durch Flucht über die ganze Welt verstreut ist. Rund zwei Drittel der Armenier leben darum nicht mehr in Armenien selber. Eine solche Exoduswelle gab es nach dem Zusammenbruch der UdSSR.

Während der Zugehörigkeit zum Sowjetreich profitierte das Land von seiner abgeschiedenen Lage. Weit weg von Moskau konnten die Geister hier schon immer etwas freier und kreativer denken. Aber im sozialistischen System dann auch nicht wieder zu sehr. Besonderer Ausdruck davon sind die utopischen modernistisch-brutalistischen Gebäude, welche alte und moderne Techniken wie Architekturstile auf eine fantastische Weise vereinen. Während dieser wenigen Jahre ab Mitte des letzten Jahrhunderts bis zur Wende entwickelte sich Armenien zu einem spezialisierten Technologiestandort. Observatorien, Chipherstellung für das sowjetische Raumprogramm – quasi zum Silicon Valley der Sowjetunion. Sogar ein Atomkraftwerk wurde gebaut. Welches noch sehr wichtig werden sollte.

Dann kam der extreme und einschneidende Bruch. 1988 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die Region. Das Atomkraftwerk musste deswegen ausser Betrieb genommen werden. Nur Monate danach fiel die UdSSR auseinander. Plötzlich stand das Land über Nacht ohne Energie da und der einzigartige Status als Hightech-Standort erodierte über Nacht. Chips für das Raumprogramm konnten in der Restwelt nicht verkauft werden und auch die anderen Produkte gingen zumeist nach Russland. Auch die Rohstoffe kamen nahezu vollständig von dort. Zwischen 1991 und 1993 brach das BIP um 50-60% ein. Diese schmerzhafte Erfahrung der Abhängigkeit war sehr prägend. Es folgten die sogenannten „dunklen Jahre“. Es gab über längere Strecken kaum 2 Stunden Strom am Tag. An Industrie, Aufbau oder Ausbau war nicht zu denken, denn man verfügte nicht über nennenswerte Energievorkommen wie die Nachbarländer. Es begann ein unaufhaltsamer Braindrain der vergleichsweise hochgebildeten Bevölkerung. Viele gingen nach Kalifornien, also ins tatsächliche Silicon Valley. Der Bergkarabachkonflikt brach in den Jahren erneut aus. Nach der Wende regierte quasi Oligarchen Armenien. Armut, Abstieg, Flucht.

Hier ein kleiner Einblick in die fantastische Architekturepoche der Sowjetzeit. Video ist vom Creator tjarchitecture. Unterstützt ihn gerne auf Patreon oder By me a Coffee. Links in seiner Bio auf YouTube.

Aktuelle Situation

Ab Mitte der Neunziger ging es wieder schwach aufwärts. Denn die beiden Atommeiler – mittlerweile die wohl unsichersten der Welt – wurden wieder in Betrieb genommen. Und genau hier liegt der erste lähmende Stolperstein in die Unabhängigkeit. Das einzige Atomkraftwerk des Landes, welches ein Drittel des Stromes herstellt, wurde mit russischer Technologie gebaut. Man ist darum auf Gedeih und Verderb von Russland und seinem Staatskonzern Rosatom abhängig. Das Werk von einer staatlichen armenischen Gesellschaft betrieben und man versucht, wo es nur geht, von Russland unabhängig zu werden bei Aufrüstungen oder Umbauten. Aber solange es in Betrieb ist, geht nichts ohne Moskau. Auch im Rest des Landes ist Russland aktuell der größte Investor, speziell im Dienstleistungssektor oder bei Immobilien. Da dies aber keine Schlüsseltechnologien sind, ist eine Abkehr von Russland hier relativ einfach möglich. 

Der Ukrainekrieg spielt eine ganz spezielle Rolle für Armenien. Viele gut ausgebildete Russen und auch russische Unternehmen flohen hierher. Das bringt Aufschwung und paradoxerweise ist diese Einwanderung von russischem Wissen und Kapital gleichzeitig ein Schlüssel zur Unabhängigkeit. Klingt sehr verstrickt. Aber nun kommen westliche Interessen in dieser geopolitisch instabilen Region ins Spiel. Die Türkei als Nachbar wendet sich zwar gerade atomtechnologisch Russland zu, hat aber absolut keine Interessen an Konflikten. Der Iran steht im Krieg mit den USA, die Ukraine haben wir erwähnt und Bergkarabach ist auch noch nicht lange her. Die Emirate sind wichtiger Handelspartner und Investor und China versucht, sich mit Solar und Technologie im Land zu installieren. Die USA wiederum investieren mit Amazon und Nvidia mit BigTech mit der ganz großen Kelle in Armenien. Die Hightech-Vergangenheit des Lands kommt hier nun zum Tragen. Erstaunlich viel Interesse von allen Seiten für das kleine Land.

Die Atomfrage

Armenien tanzt also auf der geopolitischen Schneide und versucht irgendwie, trotz aller Abhängigkeiten unabhängiger zu werden und sich eher dem Westen zuzuwenden. Wie schon nach dem Zerfall der Sowjetunion gelernt, hängt die Zukunft an der Energiefrage. Sogar an derselben Infrastruktur und dem Hauptauslöser der Krise von damals, nämlich des nun schon beschriebenen Atomkraftwerkes Metsamor. Im Süden des Landes nahe der türkischen Grenze gelegen, ist es einer der wenigen überhaupt, welches nie ein herkömmliches Containment hatte. Also im Falle eines Unfalles über keinen Schutz für den Austritt atomarer Stoffe verfügt. Der baugleiche Typ russischer Bauwiese wurde bei uns in Greifswald und in anderen Ex-Sowjetstaaten längst außer Betrieb genommen. Genau wie diese ist es massiv von Neutronenversprödung betroffen. Das Erdbeben Ende der Achtziger hat das Werk zwar lange stillgelegt und zum ersten AKW weltweit gemacht, welches nach so langer Pause überhaupt wieder in Betrieb genommen wurde. Aber das ging, weil die Erdbebengefahr relativ mit eingerechnet wurde beim Bau, trotzdem aber ein Risiko darstellt. 

Das AKW Metsamor. Im Krieg mit dem Nachbarn hat Aserbaidschan einst gedroht, Raketen auf das AKW zu feuern. Ein weiteres Beispiel, wie gefährlich Atomkraft nicht nur technologisch ist. Bild: Stratocles; facelift by ChNPP, Wikimedia Commons.

Ein Kabelbrand und andere Vorfälle haben zu größeren Ausfällen in der Vergangenheit geführt. Der erste der beiden Blöcke ist nun außer Betrieb – mehrere deutsche Unternehmen, darunter auch das staatliche, welches Greifswald rückbaut, sind mit dem Abbau des Reaktors beauftragt. Der zweite Block hingegen wird mit allen Mitteln am Leben erhalten, denn er stellt einerseits einen erheblichen Teil der armenischen Energie sicher, ist aber auch das größte und vielleicht auch einzige wirkliche geopolitische Instrument, das dem Staat geblieben ist. Mehrfach wurde die Laufzeit jüngst um jeweils 10 Jahre verlängert. Mitte der Dreißiger müsste es definitiv ersetzt werden. Nur wird das immer weniger realistisch, denn es müsste ein westliches Modell sein und deren Bau dauert viel länger als russische, von welchen man ja gerade unabhängig werden will.

Die Lösung: Klimapolitik

Es gab darum zwar Ideen für Small Modular Reactors, doch auch diese bauen im Moment nur China und Russland erfolgreich. Die jetzige Regierung drängt daher auf ein herkömmliches westliches Modell. Gleichzeitig gibt es auch wachsenden Widerstand. Die Region des Kraftwerkes ist zwar relativ dünn besiedelt, aber auf türkischer Seite gibt es große Bedenken, da Leukämiefälle in der Region erhöht sein sollen. Delegationen von französischen, deutschen, kanadischen und US-amerikanischen Botschaften zusammen mit unabhängigen Atomexperten besuchten darum jüngst die türkische Grenzstadt Iğdır. Derweil fordern die US-Techgiganten Energiegarantien für weitere Investitionen. Eine Lösung tut Not. Deswegen explodiert der erneuerbare Sektor. Die Solarbranche wächst, doch damit gewinnt China an Einfluss, weil es der einzige große Lieferant dafür ist. Extrem diszipliniert hat man sich selber zu 44% CO2-Reduktion bis 2035 verpflichtet, ist man doch Teil des Pariser Abkommens. Denn ohne eigene Vorkommen ist man zu einem Drittel neben Atom auch zu fast einem weiteren Drittel von fossilen Importen aus Russland abhängig. Der Rest ist mittlerweile erneuerbar, gleichmäßig auf Sonne und Wasser verteilt. Auch 172.000 Elektroautos sollen bis 2035 importiert werden. Die meisten aus China.

Und nicht zuletzt ist das Land selber im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich von Klimafolgen betroffen. In den vergangenen 25 Jahren haben klimabedingte Katastrophen wie Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen, Erdrutsche, Hagel, Stürme und Waldbrände geschätzte Schäden und Verluste in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar verursacht – das entspricht 0,6 % des jährlichen BIP Armeniens. Das liegt im typischen Bereich von Entwicklungsländern. Global liegt der Schnitt bei 0,2-0,5% des BIP. Auch in Armenien kennt man die Rechnung, dass jede heute verpasste Investition in Klimaschutz ungefähr das Sechsfache an Klimaschäden in Zukunft bedeutet.

Das Masrik-1 Solarprojekt ist das größte Solarkraftwerk in Armenien und die erste kommerziell ausgeschriebene Photovoltaikanlage im industriellen Maßstab im Kaukasus. Die Anlage wurde im Juni 2025 offiziell in Betrieb genommen. Bild: Partnership in Action

Dazu ist aber das Stromnetz veraltet. Kennen wir von irgendwoher. Die Lösung der Regierung ist, in den massiven Ausbau des Netzes und vor allem der Speicher zu investieren. Es sind aktuell 800 Megawatt geplant. Die USA spielen hier eine wichtige Rolle und behalten mit Investitionen in Energie und auch Rechenzentren, welche diese wiederum zur Bedingung machen, den Schuh relativ aggressiv in der Tür der Region. Amazon droht gerade damit, nur zu investieren, wenn 1 MW Stromleistung bereitgestellt würde, was wiederum aber quasi eine Erpressung zu Atomkraftwerken wäre. Ein weiteres Beispiel ist TRIPP – die Trump Route for International Peace and Prosperity, welche als Verbindung durch das verhasste Aserbaidschan in die Enklave Nachitschewan sicherstellen soll. Russland will dabei wiederum mitreden, weil die armenische Eisenbahn Tochtergesellschaft der russischen Staatsbahn ist und eine Strecke Teil von TRIPP wäre. Der Iran ist wiederum mit der US-Präsenz an seiner Grenze unglücklich. Aber auch wir sind mittendrin. Am 19. März 2026 unterzeichneten Deutschland und die Europäische Kommission Verträge über eine Unterstützung von insgesamt 135 Millionen Euro, um die Energieunabhängigkeit Armeniens zu stärken. Das Geld fließt gezielt in den Netzausbau.

Windkraft spielt übrigens kaum eine Rolle. Denn dafür wären aufwändige Schwertransporte für die Rotorblätter nötig und die wichtigen Grenzen dafür zur Türkei und Aserbaidschan sind geschlossen. Außerdem müssten die Turbinen vor allem im Gebirge installiert werden. Die aufwändige Logistik dahin kostet aber um die 20% zusätzlich. Für Solar sind die Voraussetzungen viel besser, denn die Einheiten können einfach per LKW angeliefert werden und das Land hat dank seiner sonnigen und hohen Lage extrem viel Sonnentage, besser noch als Südeuropa. Die dünnbesiedelten Gebiete sind einfach zugänglich und der Preis für Solar zerfällt gerade weltweit. Bei uns ist das mit der Fläche viel schwieriger und darum spielt Windkraft in Europa eine ungleich viel größere Rolle.

Fazit

Erst Blütezeit durch Technologie zu Sowjetzeiten, dann energetische Dunkelheit durch Atomabhängigkeit und schließlich Tanz am Abgrund sowie ein einzelner, alles entscheidender Atomreaktor, der auch noch der wohl unsicherste des Planeten ist und sich seinem Lebensende zuneigt, aber unverzichtbar für die armenische Geopolitik ist. Einziger Weg aus dieser extremen Situation sind erneuerbare Energien, aber auch BigTech aus den USA und ausgerechnet viele gebildete Exilrussen, welche dort arbeiten wollen. Von der eigenen Diaspora im Silicon-Valley profitiert man nun als Netzwerk. Das alles passiert weitgehend unbeachtet von westlichen Medien, denn der tiefere Einblick ist oft nur über wenige kleine, unabhängige Medienprojekte möglich. Russland könnte zwar den Energiehahn einfach zudrehen mit dem einen Drittel des Atomkraftwerkes und dem zweiten Drittel bei Gas, wobei das meiste aus Russland (ca. 87%) und der Rest aus dem Iran stammen, aber das würde Armenien nur noch schneller in die westlichen Arme treiben. Zu LNG hat man ohne Meeresanschluss keinen Zugang, Georgien hat kein solches Terminal.

Katalysator für die Situation ist eine rigorose Klimapolitik, welche das Land unabhängiger macht und Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Transformation schafft, die sich vor allem Zukunftstechnologien zuwendet. Insofern können wir von Armenien tatsächlich viel lernen. Am 8. Juni 2026 hat die Bevölkerung diesen Kurs übrigens mit der Wiederwahl der jetzigen Regierung mit 49,81% bestätigt, die pro-russische Opposition ist mit 23,29% weit abgeschlagen. Das Pflänzchen der Demokratie ist nach der samtenen Revolution 2018 noch zart, aber die Ausrichtung nach Westen scheint unaufhaltbar.

Wohin geht Armeniens Zukunft? Die Antwort liegt in der Energie. Ironischerweise erlebt das Land heute – Jahrzehnte nach dem Kollaps – eine Wiedergeburt als IT- und Tech-Hub im Südkaukasus, da die Kultur der mathematisch-technischen Bildung die Krise in den Familien überdauert hat. Bild: Ramaz Bluashvili, Pexels

Vorsicht gilt allerdings bei einer neuen nuklearen Abhängigkeit, diesmal von den USA. Ob das auch Schutz von dort bedeutet, muss man heute anzweifeln. Aber auch Frankreich, China und Südkorea sind noch im Gespräch dafür – selbst Russland, aber wohl nur formal, um Moskau nicht zu reizen. Die Entscheidung soll noch Ende 2026 fallen. Die armenische Regierung setzt als gebranntes Kind auf eine gewisse Diversifizierung. Denn China dominiert heute mit über 80% Anteil den Markt für Solar. Und das haben wir mitverbockt. Indem wir aus ideologischer Kurzsichtigkeit Solar und Wind als Technologie an China verschenkten, sorgt das heute für einseitige geopolitische Abhängigkeiten für viele Länder. Immerhin versuchen wir heute mit Investitionen der Europäischen Investitionsbank, einen Teil davon wieder gutzumachen. Aber unsere Fehler treffen hier auch andere. Und wir besitzen immer noch viel Know-how dabei. Ein Wiedereinstieg in Cleantech bzw. eine wirtschaftspolitische Konzentration darauf hat enormes Zukunftspotenzial.

Die Uhr tickt. Bis 2036 Metsamor vom Netz geht, ist, selbst wenn Russland nochmal liefert, kein neues AKW am Netz. Der einzige Ausweg für Armenien wäre, dass es sich bis dann mittels der sich rasant entwickelnden Batterien und Erneurbaren versorgen könnte. China nähme teilweise Russlands Platz ein. Regen und Traufe. In der blockierten Region bedeutet das aber noch nicht Souveränität. Die vermeintlich schützende Hand der USA lockt. Es ist schlicht ein Tauziehen der Weltmächte. Diesen durch klimafreundliche Technologie entkommen, und sie mit Verhandlungen bis dahin hinzuhalten – das spricht niemand aus, es wäre strategisch die letzte Hoffnung aber auch ein Experiment. Derweil versucht man sich, wenn auch risikoreich, mit einem Drahtseilakt alle Optionen offen zu halten. Das Exempel wäre schlicht der Befreiungsschlag für so viele Staaten weltweit. Es könnte die geopolitische Landschaft radikal verändern.

Und da wären wir wieder beim enormen Potenzial von Cleantech und welchen Schlüssel das für die europäische Wirtschafts- und Sicherheitspolitik bedeuten könnte. Angesichts dieser Dimensionen mutet unsere aktuelle Selbstbeschäftigung geradezu surreal kindisch an. Der Streit ums Auto, der fossile Reiche-Kurs und unsere Wirtschaftskrise sind im Vergleich geradezu ein kleinliches Weltbild und Schicksal zugleich. Wir könnten und müssten so viel größer sein und Verantwortung für diese Welt tragen. Die Chance liegt zum Greifen nah. In Armenien könnte sich auch unsere Zukunft entscheiden.

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