Fahrradalltag – 10 Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte, Teil 2

Die Verkehrswende kommt, das Fahrrad ist zurück! Und du? Schon oder wieder im Sattel? Hier die praktische Anleitung, wie du Vorurteilen gegenüber dem Fahrrad im Alltag begegnest und dein Leben um einiges besser machen kannst.

Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie. Foto: Credits

Willkommen zurück zu Teil 2! Im ersten Teil haben wir uns die wichtigsten Mythen angesehen, die dich vom Radfahren abhalten könnten und über die einfachen Lösungen für diese vermeintlichen Probleme gesprochen. Zum Beispiel, welches Rad man wählen sollte, wie einem das Wetter nichts mehr ausmacht oder wo und wie man sein Rad sicher abstellen kann. Mit genau diesem Enthusiasmus überblicken wir heute noch kurz den wichtigen Punkt der Sicherheit sowie die Macht der Gewohnheiten. Wählt man diese nämlich intelligent, macht man sich das Fahrradfahren nicht nur leicht, sondern eröffnet sich tatsächlich eine dauerhafte Alternative zu vollen Bahnen, Stau und Parkplatzsuche. Wir alle wollen mehr Platz, Grün und lebenswertere Städte – und das geht nur, wenn wir wieder auf den guten alten Drahtesel steigen. Es zahlt sich unbestritten aus. Aber weil wir hier nicht im Rad-Gottesdienst sind (die Predigt werden wir bestimmt nachholen), geht es nun direkt und ganz praktisch weiter:

6. Es werde Licht

Hach ja, dieser eine Moment im späten Frühling, wenn es nicht zu kalt, nicht zu heiß ist und so angenehm lebensfreudig grün wird. Diese Leichtigkeit und diese Lust lassen das Fahrrad in diesen Momenten so wunderbar erscheinen. Doch im Herbst oder Winter halten uns dann ja wieder so viele Dinge davon ab, das Zweirad als vollwertiges Verkehrsmittel zu nutzen. Für erfahrende Radler ist das genau der Moment, wo es ganz entspannt weiter geht. Je mehr Norden, desto dunkel. Und das Lichtmanagement wird schnell zur unangenehmen Überraschung, wenn man sich nicht schon früh Gedanken macht. Heute sind die billigen Aufstecklichter weit verbreitet. Zu weit und zu Unrecht, denn sie kommen mit allerhand Nachteilen. Einfache Rechnung: Du fährst mit dem Rad zur Arbeit, am Abend zurück und dabei machst du noch einen Stopp am Supermarkt und vielleicht noch am Kiosk oder bei Freunden. Klingt easy? Wenn du nachrechnest, musst du dabei krasse 8 Mal dein Licht entweder dran montieren oder wieder wegnehmen, damit es dir nicht geklaut werden kann. Hinten und vorne zusammen ergeben so ultimative 16 Mal fummeln. Ja, im Laden war es so schön billig und ein Dynamo bremst ja angeblich so extrem und ist letztes Jahrhundert. Doch wenn die Batterie ständig leer ist und du immer die Lichter dabei haben und fummeln musst, dann vergeht dir im schlimmsten Fall auch das Rad fahren. Und genau dafür gibt es Lösungen. Klar gibt es mittlerweile USB-ladbare Lichter und solche, die man mit einem Schlüssel bis zur nächsten Nachladung (leider oft) ans Rad schließen kann. Doch bedauerlicherweise kann jeder Dieb, der diesen Einheitsschlüssel auch hat, das Licht klauen. Und weil es eine fixfertige Taschenlampe ist, ist das ziemlich attraktiv.

Eingebaute Lichtmaschinen sind daher der wirklich heilige Gral. Man kann nicht das ganze System klauen und ohne dieses wird es auch nicht Licht. Heute gibt es fantastische Dynamos. Die 5-Euro-Dinger sind allerdings Mist. Für ca. 20 Euro gibt es jedoch hochwertige, kaum spür- oder hörbare moderne Varianten. Am besten mit großem Rädchen, die haben mehr Haftung und generieren mehr Power. Installieren ist einfach und dann hast du immer, überall und ohne Nachladen Licht dabei. Hast du sowieso ein modernes oder hochwertigeres Rad, ist heute immer der Nabendynamo eingebaut. Eine noch nicht weit verbreitete und bei der Zulassung noch im Graubereich ist die induktive Variante, wo sich Magneten ohne Berührung bei jeder Umdrehung des Rades begegnen und so Stromimpulse generieren. Das ist dann ohne Reibungsverlust. Wer nicht auf Standlicht verzichten möchte, der tausche die Lampen gegen solche mit Kondensatoren und dann bleibt das Licht auch bei Stillstand für kurze Zeit an. Licht ist ultimativ wichtig und ein extremer Sicherheitsfaktor, den die Straßenverkehrsordnung vorschreibt. Weil diese noch altmodisch formuliert ist, sind eigentlich, wenn man es genau nimmt, die Batterielichter nicht erlaubt – werden aber von der Polizei geduldet. Ein paar Euro für Sichtbarkeit und Sorgenfreiheit lohnen sich. Nabendynamos kann man nachrüsten, man muss dafür aber meist das Rad tauschen. Da ist man so ab 70 Euro dabei. Der gute alte Seitenläufer ist immer da, wenn man ihn braucht. Komfort is King.

Moderne Dynamos sind leise, fast ohne Widerstand und mit Überspannungsschutz sowie in Kombination mit LED-Lampen eine richtig gute und immer funktionierende Alternativen zu den teureren Nabendynamos. Einfach zu montieren.

7. Sicherheit (Klingel, Verkehr, Helm, Dooring)

Licht war auch Sicherheit, aber dieser Bereich umfasst eine ganze Reihe von Maßnahmen. Experten streiten, ob Warnwesten Sinn machen. Frankreich oder Spanien schreiben sie z.B. vor bei Dunkelheit. Der Menschenverstand ist auch dafür, auch wenn die Studienlage dünn ist. Viel bringen zusätzliche Reflektoren zu den sowieso schon vorgeschriebenen. Oft werden aus Spargründen Räder im Discount übrigens ohne diese verkauft. Vorne weiß, hinten rot und je zwei orange Katzenaugen in den Speichen und zwei pro Pedale – ohne diese Grundausrüstung dürft ihr laut Gesetz gar nicht erst auf die Straße. Aber Gürtel, Streifen, reflektierende Kleidung, Sticker etc. helfen besser erkennbar zu sein. Kauf dir eine laute Klingel. Ja, in der Großstadt wirst du sie oft brauchen. Eher nicht für Fußgänger, aber für Autofahrer. Da muss eine fiese, laute und eindringliche her! Wehr dich, mach dich bemerkbar. Lieber zu viel als zu wenig klingeln. Die StVO findet, dass es eine hell klingende sein muss. Aber so eine billige und lieblich und romantisch verspielt klingende Wohlfühlklingel rostet schnell und nützt wenig. Eine mit Sprungfeder und ordentlich Nachhall ist eher das richtige Werkzeug – denn Stadtverkehr ist kein Ponyhof. Leider. Ob das jetzt demotivierend ist? Bei Sicherheit zählt realistische Gefahreneinschätzung und Vorbereitung. Alles andere ist Politik.

Bei sowas darf man links auf der Fahrbahn fahren. Denn der “Schutzstreifen” ist nicht pflichtig und der vorgeschriebene Abstand zum geparkten Auto kann nicht eingehalten werden. Du bist bei Dooringunfällen mitschuldig! Nur hart links an der gestrichelten Linie fahren provoziert gefährliche Überholmanöver genervter Autofahrer, die wiederum den vorgeschriebenen Abstand zu dir nicht einhalten. Schulterblick nicht vergessen. Solche Pinselei ist keine Infrastruktur, die dich schützen könnte, sondern ein politisches Feigenblatt, welches dich effektiv mehr gefährdet.

Womit wir schon bei der von Anfängern oft gar nicht wahrgenommenen Gefahr sind: dem Dooring. Das ist der Moment, wo ein Autofahrer unachtsam parkend die Fahrertür aufreißt und diese mitten in den unverständlicherweise immer gefährlich angelegten “Schutzstreifen” schwingt. Das führt zu extrem bösen Unfällen. Und du bist meist auch noch mit schuld! Ja, völlig verkehrte Welt, aber auch hier hilft: Gefahr akzeptieren und immer, auch wirklich ausnahmslos den gesetzlichen Abstand zum geparkten Auto einhalten. Das macht die fahrenden Autos hinter dir nicht happy, denn diese wissen meist nicht, dass sie auch einen Abstand zu dir halten müssen, nämlich 1,5 Meter – seit diesem Jahr verbindlich. Sonst punktets in Flensburg und wird teuer. Nur hält sich niemand dran und deine Dooringvoraussicht wird mit erziehendem und extrem gefährdendem Überholen bestraft. Darum fahr, wenn nötig, so auf der Fahrbahn, dass du nicht überholt werden kannst, jedenfalls dann, wenn du den Abstand zu parkenden Autos nicht einhalten kannst. Das ist nicht nur erlaubt, sondern der einzige sichere Weg. Wer sich also lebensmüde an den Rand quetscht, um gestresste Autofahrer zu berücksichtigen, der bringt sich selber in ernste Gefahr. Klingt unlogisch, aber ist wirklich wichtig. Ganze Bücher könnte man über die Helmdebatte schreiben. Natürlich wäre eine Welt wie in den Niederlanden toll, wo du entspannt und separat auf deiner eigenen Infrastruktur kaum Gefahren ausgesetzt bist. Aber solange das bei uns noch dauert, ziehe dir einen Helm über. Fällst du, hast du auf einem Rad keine Chance dich abzustützen und deinen Kopf vor einem Aufprall auf dem Asphalt zu schützen. Frisur? Anpassen. Sorry, aber nur wegen dieser nicht Rad fahren, dich nicht schützen, deine Familie zurücklassen, lebenslange Behinderungen in Kauf nehmen oder gar nicht erst Rad zu fahren und die Welt zu retten, ist keine Option. Es gibt schicke und sehr bequeme Modelle. Nach kurzer Zeit willst du sowieso nicht mehr ohne – versprochen.

Zum Vergleich.

Zum Schluss und schon beim Dooring angesprochen: Verkehr ist so berechenbar wie seine Teilnehmer. Mache dich bemerkbar, und wenn es rufen, gestikulieren oder ans Fenster klopfen bedeutet. Und zu viel warten kann man immer – zu wenig nur ein einziges Mal. Baue immer genug Sicherheit ein, auch wenn du dir dabei das Recht herausnehmen musst, den Autofahrer auszubremsen. Denn es gibt kein Gesetz, dass ihm mehr Daseinsberechtigung zugesteht. Die autogerechte Stadt ist gewachsene Kultur, die uns von Kindesbeinen an falsch anerzogen wurde. Du hast das Recht, auch die Straße zu benutzen. Einzige Ausnahme ist der verpflichtende Radweg, angekündigt mit dem runden, blauen Schild.

Du musst dich nicht über gefährliche, wurzeldurchsetzte, kaputte oder zu enge Radwege bzw. Schutzstreifen quälen. Nur bei diesem Schild bist du verpflichtet, die Straße zu verlassen.

8. Routenplanung

Als Fußgänger, ÖPNV-Benutzer und Autofahrer – also Nichtradfahrer – bist du dir gewohnt, die Stadt und ihre Verkehrswege völlig aus Autoperspektive zu begreifen und zu nutzen. Aber Rad fahren ist eine völlig andere Dimension. Du bist extrem viel flexibler. Google Maps ist für viele die Hauptnavigationsquelle und da wird durchgelotst, wo Daten vorhanden sind bzw. für Auto entwickelte Algorithmen dir Verbindungen fast ausschließlich auf Straßen vorschlagen. Aber mit dem Rad gibt es Parks, Uferwege, Seitenstraßen, Abkürzungen, Fußgängerbrücken, Wanderwege, private Durchlässe in Siedlungen und viele andere Pfad- und Wegformen dazwischen. Nicht überall, aber z.B. in Städten wie Berlin kannst du große, komplett stadtquerende Strecken durch Grünanlagen und abseits des Straßenverkehres zurücklegen. Viele sind dabei sogar schneller, manche solche Routen dauern aber auch fast nicht spürbar länger. Und genau diese sortieren aber die Apps kategorisch aus. Da gibt es noch keinen Button “sichere, schöne und erholsame Route nehmen”. Routenplanung spielt daher in der Anfangsphase eine Rolle, wenn du noch neu auf dem Rad bist. Entdecke die schönen, versteckten Wege, wo keine Autos hinkommen. Manche haben genetisch bedingt räumliche Orientierungsschwierigkeiten. Anstatt dann nur dem Smartphone vertrauen, kann man auch Routen vorher zu Hause mit entsprechenden Apps planen. Ein paar Mal fahren und dein Gehirn hat eine automatische Karte angelegt. Das tut es übrigens immer. Darum haben Kinder, die im Lastenrad mitfahren, anstatt im SUV zur Schule gebracht zu werden, ein viel besseres räumliches Verständnis von ihrer Stadt und Umwelt. Das schlägt sich laut Untersuchungen z.B. in Kinderzeichnungen nieder. Autokinder zeichnen Gebäude, dunkle Farben, Autos. Fahrradkinder zeichnen Bäume, Tiere, Menschen, Leben. Let that sink in.

Mitten in der Großstadt findest du erstaunlich viele Wege, die dich fast komplett durchs Grüne ans Ziel führen. Apps weisen dich selten darauf hin und schicken dich eher auf die Straße.

9. Das Gehirn

Schon sind wir beim Gehirn gelandet. Ja, es merkt sich deine Umgebung, baut eine Karte, kennt nach kurzer Zeit jeden Bordstein, jede Wurzel, jede Abkürzung und memoriert auf Gefahrenstellen, Schulterblicke etc. Aber es leistet noch viel mehr. Es reagiert auf neue Situationen und passt sich an. Wer neu auf dem Rad ist, hat noch keine Fahrintelligenz aufgebaut. Du kennst die Vergleichsmetapher “Das ist wie Radfahren, das verlernt man auch nie!” Das stimmt, aber dahinter steckt mehr als nur Stützräder loswerden, weil man das Gleichgewicht halten kann. Fun Fact: Mathematikern und anderen Wissenschaftlern ist es nicht vollständig gelungen, zu erklären, warum ein angestoßenes Rad sich selber stabilisiert und weiterfährt, obwohl der Lenker nicht gehalten wird. Aber zurück zum Oberstübchen: Das merkt sich auch, wie viel Energie es an Kreuzungen zum Anfahren braucht, an welchen Stellen es welche Kraft aufwenden muss, ab wann es aufwärts schalten sollte, wo die Schwelle zum Schwitzen ist – und zwar bevor diese überschritten wird. Es lernt, automatisch vorauszudenken – unterbewusst. Dooringzonen, Verhalten von Autofahrern, Verkehrsführungen, fahren auf unbefestigtem Untergrund und viele andere Herausforderungen werden nach kurzer Zeit völlig automatisch erledigt. Auch das sogenannte Muskelgedächtnis trainiert Bewegungsabläufe und zusammen wird das alles zu einer unglaublichen Rechenleistung deines Gehirnes. Es ist logisch und bewiesen, dass dein Hirn auf dem Fahrrad Höchstleistungen erbringt – weil es aktiv, aufmerksam und fokussiert sein muss. Eine ursprüngliche genetische Programmierung, die uns schützen soll. Wer also Rad fährt, hält ohne Anstrengung den Geist fit. Diese Konzentration wirkt wiederum psychologisch therapierend. Sorgen rücken in den Hintergrund, Gedanken räumen sich auf, die Ablenkung entspannt. Du kommst in den Flow. Wirklich kein Bullshit. Dein Gehirn profitiert enorm davon und du eben von deinem Gehirn. Unterschätze also nicht seine fantastischen Fähigkeiten. Viele schmeißen nach ein paar Radfahrten hin. Weil sie eben nicht die zwei Wochen abgewartet haben, bis sich Prozesse automatisiert haben und mit viel weniger spürbarem Aufwand abgerufen werden können. Die ersten Fahrten sind vielleicht stressig, anregend, aufregend, anstrengend und auch manchmal unbefriedigend. Aber nach kurzer Zeit gewöhnen sich deine Synapsen und Radfahren wird dauerhaft leicht und entspannend. Noch ein toller Effekt nebenbei: Dein Verhältnis zu Distanzen ändert sich quasi schlagartig. Plötzlich sind viele Dinge näher als du dachtest, die Stadt viel kleiner als bisher erlebt. Vorher nur unterirdisch oder auf vier Rädern hattest du nicht die Chance, eine reale Einschätzung dafür aufzubauen. Deine Welt wird ab jetzt eine andere sein. Eine bessere. Versprochen!

Weltweit erlebt das Fahrrad eine Renaissance. Weil es einfach Sinn macht und eine schnelle und günstige Antwort auf drängende Probleme wie Zivilisationskrankheiten, Klimakatastrophe, Energiekrise, Verödung von Innenstädten, Luftverschmutzung usw. ist. Hier ein progressives Beispiel. Aber die Nachfrage bestimmt mehrheitlich das Angebot. Wer aufs Rad steigt, zwingt damit die Politik zu handeln. Es ist auch dein Lebensraum, deine Stadt.

10. Ökonomisches Fahren

Neben den automatisierten Prozessen kannst du aber auch von bewusst gesteuerten Entscheiden profitieren. Probiere doch mal – wie beim Auto auch – ökonomisches Fahren aus. Lach nicht, das macht beim Rad direkt spürbar Sinn! Fahre mal eine favorisierte Strecke mit dem Minimal-Effort-Prinzip. Also nicht sportlich oder nach deinen eigentlichen Möglichkeiten, sondern nur mit dem minimalen muskulären Aufwand. Rolle immer ohne Treten an Ampeln aus, sobald du sie in der Ferne auf Rot sehen kannst. Fahre an Kreuzungen langsamer an, du hast kein Stress, den Ampelphasen sind immer für Fußgänger designt und daher für dich sehr lange. Gleite königlich dahin, lass dich tragen. Übe das aktiv. Du wirst einen gewaltigen Unterschied spüren und sehr entspannt ankommen. Fahre von mir aus so entspannt ins Büro und abends voll sportlich zurück, denn dann ist verschwitzt ankommen egal. Stoppe die Zeit und du bemerkst, der Unterschied ist verschmerzbar. Aber der Komfort des minimalen Aufwandes sehr angenehm. Habe Geduld und lerne Rad wirklich zu fahren. Im Wetter, der Stadt und mit dem richtigen Energiehaushalt. Wenn du diese Lernphase durchhältst, stellst du fest, dass all die Vorurteile irgendwie völlig substanzlos waren und das Fahrrad nicht umsonst in weiten Teilen der Erde Transportmittel Nr. 1 ist. Das war auch bei uns ab Erfindung des Fahrrades bis zum beginnenden Autowahn der Nachkriegszeit so. Der Modalsplit in der Stadt Berlin war bei 40 % Fahrradteil in den Dreißigerjahren! Der Rest waren Eisenbahn, Tram und vor allem per pedes. Die Stadt hatte weite Straßen, die nicht mit parkendem Blech zugestellt waren und auch als sozialer Treffpunkt dienten. So könnte es bald wieder sein. Das liegt an dir, ob du dir diese ruhige und lebenswerte Stadt auch wünschst und ob du von den Vorteilen des Rades profitieren willst. Die wichtigsten Nachteile haben wir hier jedenfalls entmystifiziert. Es gibt sicher noch mehr Themen und Schlüsselpunkte. Teile diese gerne per #DerKlimablog auf Twitter und Mastodon mit der Community!

Bonus: Einstellungssache

Viele Fahrräder sind falsch eingestellt. Nein, nicht nur die Schaltung (drei Schrauben, relativ einfach selber einzustellen, damit wieder alle Gänge gehen oder alles rund läuft), sondern vor allem Sattel und Lenker. Passe sie deinem Körper an. Meine Empfehlung: du solltest dich gut mit den Zehenspitzen abstützen können, bequem mit dem ganzen Fuß stehen ist zu niedrig. Warum? Weil du dadurch die volle Hebelkraft deiner Beine bei der Pedalenbewegung ausnutzt. Das macht gleich enorme Sprünge bei der Effizienz und damit der Kraftanstrengung aus. Schlechte Einstellung führt zu schlechtem Fahrerlebnis und schlussendlich von der Nutzung weg. Es lassen sich zudem nicht nur Höhe, sondern auch Winkel und Entfernung zum Lenker am Sattel einstellen. Der Lenker wiederum ist bei vielen Rädern verstellbar, was aber wenige wissen oder nutzen. Wenn du den Sattel hochstellst, stelle auch den Lenker hoch, dann liegst du weniger wie auf einem Rennrad oder in der Federstellung wie auf einem Mountainbike, du sitzt eher aufrecht wie auf einem Hollandrad. Das ist bequem und du hast mehr Sicht auf den Verkehr. Probiere aus, justiere nach. Einfach aufsitzen und nach Jahren erst bemerken, dass es besser gegangen wäre und man sich viel erspart hätte, ist bitter. Und nun der absolute Geheimtipp: Sattelhutzen – bzw. Überzüge. Einen gegen Regen und vor allem einen aus Merinolammfell für jede Fahrt. Sieht für manche lächerlich aus, aber du willst nie mehr ohne, denn das ist die Klimaanlage für Fahrräder! Erstmal unlogisch, aber physikalisch erklärbar: Das Luftpolster im Fell kühlt im Sommer und heizt im Winter. Du wirst entgegen deiner Erwartung viel weniger unangenehm am Po schwitzen und nie wieder frieren. Kostet 20 Euro und gibts bei einem spezifischen Hersteller. Entweder direkt auf der Webseite oder bei Amazon, nicht zu verfehlen. Kann man einfach bei jedem Fahrtende abziehen, wenn man keinen sicheren Parkplatz hat. Quasi wie eine Mütze. Nebeneffekt: Das weiche Material buttert auch die meisten ungefederten Schläge des Sattels von Bodenwellen und Unebenheiten auf der Straße weg. Das Leben ist zu kurz für perfekten Stil, aber lange genug, um nicht auf Komfort verzichten zu wollen. Spar dir all die Plastik-Gel-Sättel oder Kunstfelldinger. Hier ist das Original entscheidend, denn nur Merino kühlt, wärmt, polstert, reguliert Feuchtigkeit etc. Es wird dein Leben verändern. Gern geschehen.

Fazit

Wer will, der kann und kriegt dabei mehr als er erwartet. Es waren jetzt keine Wunder dabei und das meiste ist Menschenverstand. Aber manchmal muss man es lesen und ausprobieren, bevor man es glaubt. Vielleicht ist einer der Tipps der Gamechanger für dich und du bist darum bald der Gamechanger fürs Klima. Die richtige Ausrüstung und Einstellung jedenfalls machen das Rad schneller zum Autoersatz, als du dich an frische Luft, Gesundheit und Zufriedenheit auf zwei Rädern gewöhnen kannst. Wenn nicht schon geschehen, gib der Sache eine Chance und fahre mit. Gib dir Glückshormone (Dopamin, Serotonin und Endorphin werden bei jeder bereits moderaten Bewegung in dein Blut geschüttet) auf dem Rad anstatt Stresshormone (Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) im Stau oder Bahngedränge. Ergänze oder ersetze deine sonstige Fahrten mit solchen auf dem Rad. Und frage deine Oma, warum eigentlich so viele Omas gerne mit ihren Omarädern unterwegs sind. Wenn die das in ihrem Alter können und wollen, dann muss da ein Geheimnis dahinter stecken – oder nicht?

Willkommen im Sattel und gute Fahrt!

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